23. Juli 2008

Durch Anschlußkauf Humankapitalist

Beim Spaziergang fielen mir heute zwei Worte ein. »Der Humankapitalist« ist das eine, das andere »der Anschlußkauf«. Ob ich das meine kreative Ausbeute vom heutigen Tag nennen darf, werde ich später bewerten, nach dem Gute-Nacht-Gebet und der eindringlichen Rede mit meinem guten und schlechten Gewissen. Es plaudert mit mir, einer alten Gewohnheit aus Beichtstuhlzeiten folgend, dann und wann über vertane Stunden in meinem Leben, und stiehlt mir dadurch weitere wertvolle Zeit, die ich sinnvoller mit Plänen für einen gesellschaftlichen Aufstieg gefüllt hätte. Immerhin zeige ich mich hier schon so getrimmt am Ende eines guten Tages von der Tagesausbeute und Auswertung zu reden: Was hat mir der Tag gebracht? Zwei Worte.

Der Humankapitalist muß nicht erst noch geboren werden. Er lebt schon unter uns. Ich will das Wort gar nicht erklären, denn erstens ist es mir vor kurzem erst in den Sinn gewandelt, und zweitens erklärt es sich fast von selbst. Mein unterbewußtes Sein hat es schlicht nur abgeleitet aus einem marktliberalen Formelkoeffizienten, dem Humankapital, das heutzutage niemand mehr braucht, es sei denn, es wird freigestellt, und fährt so erst, als Kapital, den Zins ein.
Fast war ich beleidigt, daß mir ein anderes Wort, das in Zusammenhang mit dem Humankapitalisten stehen könnte, nicht selbst eingefallen war, als ich auf der Seite eines durch viele Parteien wechselnden Politikers das Wort Arbeitsplatzbesitzer fand. Unter einem Besitzer kann man sich jemanden vorstellen, der im Grunde nichts tut – so eine Vorstellung flößt mir ganz unschuldig diese Schöpfung ein. Ein Arbeitsplatzbesitzer ist das neoliberale Wort für das was früher ein Arbeiter war. Als Arbeiter tut der Arbeiter noch etwas, als Arbeitsplatzbesitzer macht er sich breit, stellt sich seiner Freistellung entgegen, »einseitig begünstigt durch eine Koalition aus Gewerkschaften und Sozialpolitikern«.
Da sollte sich der Humankapitalist, für den obiger Politiker ein hochbezahlter Propagandaredner ist, seiner eigenen Tugend besinnen, auf das Besitzen, und wie schön es ist, nichts zu tun (was er vom Arbeistpaltzbesitzer abschaut). Aber das wird er sich verbitten. Kapital anzuhäufen ist eine Heidenarbeit; nicht nur für den, der‘s schon hat.

Das zweite Wort, der Anschlußkauf, folgte einige Schritte nach dem Humankapitalisten. Ich habe mich also während des ganzen Spaziergangs nur um‘s Geld gekümmert – so schlecht war mein Tag gar nicht! Wie kam ich zu dem Wort? Ich ging um ein Einkaufsparadies herum, sah Käufer gedankenvoll reinströmen und beladen rausströmen. Man sollte als Käufer (siehe Als-Beitrag, Worter 1) nicht nur an den Kauf denken, sondern bei jedem Kauf sogleich an den Anschlußkauf. Tatsächlich geschieht das sehr häufig: der Frust nach dem Kauf kann groß sein, sagen uns Identitätswissenschaftler, die feststellen, daß so manche Identität am Kauf hängt. Wenn man nicht unmittelbar nach getätigtem Kauf ein neues Ziel sieht. Ein solches ist der Anschlußkauf. Mit meinem neuen Wort dringt das Kaufen noch tiefer in unser Bewußtsein ein. Das möchte ich mit diesem Beitrag erreichen.
In einem Computerforum las ich einen Beitrag (einen Poust, Posst?? Posting?, ich weiß nie wie das genau heißt) mit folgender Frage: »Konsumgeil, aber wunschlos, was kaufen?« Hier kommt nicht einmal ein Anschlußkauf in Frage. Der heitere Fragensteller ist weiter als es ich es denken kann. (Anmerkung: er bekam nur etwas Taschengeld in Form einer Prämie geschenkt, und wollte es sinnlos verprassen und dafür sinnvolle Tips einsammeln).