15. Juli 2008

Und jetzt?

Es war, glaube ich, Keith Richards von den Rolling Stones, der einmal in einem Interview sagte, daß er nie in seinem Leben einer geregelten Arbeit nachgegangen sei und nie eine Lohnarbeit angenommen habe. Das habe ich mir gemerkt, es hatte mir sehr imponiert (als ich noch viel viel jünger war als ich heute bin). Der Satz wirkt noch, um so mehr als ich jetzt ein Bild seines uralten zerlebten Gesichtes vor Augen habe. Es drückt nichts von dem aus, was ein Streben nach erfülltem Leben aus einem machen kann; es ist leer, ohne Ziele, ohne Wertung, da stehen keine Gedanken im Weg, da scheint nur Leben gewesen zu sein, das hindurch ging durch seinen Körper. Ideale, Lebensvorstellungen und Träumereien kommen mir bei diesem Anblick belanglos vor.
Ich sollte hier welche erwähnen, aber ich mache es nicht, es sind ja schließlich meine eigenen, in die ich mich täglich verstricke; es sind die, die ich normalerweise gar nicht bedenke, die mich aber beständig begleiten: das gewöhnliche Umfeld an Gedanken, aus dem sich mein Ich zusammenbastelt.

Ratgeber, Philosophen, Therapeuten – aus zahlreichen Mündern hört man die Aufforderung: »Lebe! – Sei! – Jetzt!« Da ich es so oft zu hören glaube (stimmt ja schon einiges nicht), versuche ich das auch immer mal wieder, sage es mir vor, vergesse es, weil irgendwelche Hindernisse, und sei’s nur das Vergessen selbst, mich am Leben mit Ausrufezeichen vorbeigehen lassen. Ich falle schon mal zurück in das Postulat: Du mußt was erreichen, du mußt Ziele haben. Doch ohne Power-Joga schaffe ich‘s nicht, und Power-Joga mag ich nicht. Also sage ich mir einfach nur: Jetzt! Und schon bin ich jetzt … Das war mein Ziel.

Und was mache ich jetzt (also danach)? Für einen Augenblick erkennen, daß das unnötigste ist: Ziele haben. (So erreiche ich leider nichts; nicht mal ein Ende für diesen Text).

Daß manche sagen, Richards habe seinen Verstand mit Drogen ausgelöscht, ändert alles hier Gesagte ins Gegenteil und kehrt es um: Über Richards weiß ich so gut wie nichts; über mich nur ein wenig mehr. Davon entspricht so manches nicht gerade meinen Idealen, Lebensvorstellungen und Träumereien …

Und jetzt? Nehme ich mir vor, einen Traum zu leben und ein wenig zu schlafen. Gute Nacht.