12. November 2008

Neues vom ALS

[Der erste Als-Artikel: Nichts als Unsinn]
Was hier geschrieben steht, ist in Ausnahmefällen das Neueste vom Neuen. Es ist gewiß nicht das »Beste aus der Milch«; es ist nicht nahrhaft, aber auch nicht ganz ohne Geschmack:

Rezepte als Liebeserklärung – entstammt nicht der Zeitungsbeilage: »Das hilft bei Liebeskummer – eine Expertin gibt Tips« sonst hieße es »Rezepte für Liebeserklärungen«. Das Rezept selbst ist die Erklärung der Liebe (»Die Erklärung der Liebe«, ein Romantitel in der Art von »Die Entdeckung der Langsamkeit« etc.; muß nur noch jemand den Text dazu schreiben). Früher schenkte Mann etwas Praktisches zum Geburtstag oder zum Hochzeitstag, wie eine Küchenmaschine oder einen Entsafter, um Ihr das tägliche Küchenleben zu erleichtern, heute ist es ein Lieblings-Rezept, das man ihr gibt, und wenn sie einen liebt, bereitet sie es mit Liebe zu. »Liebe geht durch den Magen« in den Darm? und wird verdaut, auf dem Sofa, an einem Ort wo man‘s bequem hat – so muß Liebe sein.
Bei Rezepten halte ich mich zu lange beim Essen auf und der traditionellen Rollenverteilung am Herd. Es kann auch anders gemeint sein. Rezepte gibt‘s für alles mögliche, nur nicht für das, wogegen kein Kraut gewachsen ist.

Altstadt als Sardinenbüchse – wer das erfindet und bastelt, kann nur ein Künstler sein; die machen die verrücktesten Dinge und dann brauchen sie nur zu sagen: „Das bedeutet das und dies noch mehr.“ Hier wurde keine Sardinenbüchse ausgestellt und behauptet, sie sei eine Altstadt. Es war umgekehrt: Es war umgekehrt: die Altstadt mutierte zu einer Sardinenbüchse, sinnbildlich.

Ähnlich liegt es beim: Mittelalter als Magnet – ein Handtaschenmagnet im Format einer Sardinenbüchse. Der Mittelalter-Magnet liegt vorzugsweise in einer Altstadt. Was wird hier angezogen? Touristen; Nippeskäufer; auch Leute, die für Kunst Geld ausgeben sind sehr sehr erwünscht!
Aus einer Gruppe von unwiderstehlich angezogenen Touristinnen wurde mir einmal vorgehalten, mein Hund, mit dem ich spazierte, sei wohl mein »girl magnet«. Dog as girl magnet would be alright with me! Mein Hund war ein Zugpferd, das mir jedoch ohne Nutzen blieb, weder konnte ich an- noch ausziehen.

Mehr Nutzen wird aus folgendem gezogen: Krankenpolicen als Zugpferd. Was wird hier vor welchen Karren gespannt? Man könnte die Policen vor die Touristen-Kutschen spannen, dann gäb‘s keine Skandale über Kutscherrandale mehr. Ein bekanntes Mittelalter-Magnet-Städtchen wäre eine ungeliebte Attraktion los und hätte dafür eine weitere gewonnen: wandelnde Krankenpolicen. Klingt nicht schön! Man müßte aus den Policen ranke Politessen in sardinenbüchsen-engen Uniformen machen.

„Feriendschobbs sind schwer zu finden“, sagte eine Freundin. Manche kommen aus dem Ferienjob gar nicht mehr heraus: Politik als Ferienspaß. Bei all den gedrückten, zerknitterten und ernsthaften Gesichtern, die wir von Politikern sehen müssen – selten ein fröhlicher Ausdruck oder ein gelungener Witz (das gilt nicht für Silvio Berlusconi) – kann es sich hier nur um eine Ente handeln: Das war ein Jux.

Wer auf Parties geht, wird dagegen sehr viel Spaß haben. Bekannt ist, daß auf Parties viel mit Drogen gehandelt wird. Drogenhändler, die dicke Kohle machen, werden zur Zeit von sparsamen & findigen jungen Leuten ausgebremst, da sie Putzmittel als Partydroge für sich entdeckt haben.

Ich gehe nicht oft auf Parties, sonst wären er oder sie mir mitunter bereits begegnet und es hätte mich geschaudert, nachher: Kriegsverbrecher als Partygänger – keine Verunglimpfung von Partygängern, eher eine Verglimpfung von Kriegsverbrechern. Daß solche sich am ganz gewöhnlichen Leben beteiligen, wird deshalb immer wieder erstaunt festgestellt, weil jeder weiß, sie können einfach nicht aus unser Mitte hervorkommen.

Ich sehe mir keine Krimis an und bin im kriminologischen Wissensbereich wenig bewandert, ich kann auch Dunkelziffern nicht lesen, aber ich glaube »Kriegsverbrecher als Partygänger« sind nicht so häufig wie: Familienvater als Kinderschänder.

Wirklich überraschend traf mich folgende Zeile: Endlich als Verbrechen! Das war‘s, mehr nicht. Hier sind nicht Sprachästheten am Werk, die ein Wort verbannen wollen oder Rabulisten wie ich, für die der Spaßfaktor beim Lesen ganz oben auf ihren Prioritätenlisten steht, hier geht‘s um Verbrechen. Wer das lesen will, für den würde ich hier gerne den Link einfügen, doch es bleibt ihm nur der Weg zum nächsten Kiosk und der Griff zum »Printmedium«. Es lohnt auf Papier zu lesen und es lohnt auch onlein zu lesen, (selbst wenn man den festen Glauben hat, man hätte es nicht notwendig, man sei ja »emanzipiert« – es stellt sich oft heraus, man ist selten emanzipiert genug): Hier.

Und bitte nicht vergessen: Lesen als Selbstverständlichkeit – ist keine Selbstverständlichkeit.