3. Dezember 2008

Pochen auf Probelauf

Vor einigen Wochen schrieb ich, daß eine unappetitliche Mahlzeit von einer Speisetafel genommen wurde (Nackt-Scanner vom Tisch). Ein paar Tage später dachte ich, er sei eingefroren worden. Ich las: Nackt-Scanner auf Eis gelegt. Nun erfährt meine Vorstellung eine neuerliche Korrektur. Der Nackt-Scanner ist keine Mahlzeit, er ist ein „Flitzer“, der noch etwas wacklig auf den Beinen zu sein scheint: Doch Probelauf für „Nackt-Scanner“ – Regierung pocht auf Test.

Ich höre aus dieser Schlagzeile heraus den Nackt-Scanner um Hilfe rufen; er scheint nicht recht zu mögen was von ihm eine gewisse »Regierung« verlangt. Seit Wochen ist er nackt, ihn friert und nun soll er doch (noch) zum Laufen gezwungen werden. Galten früher „Flitzer“ als Belästigung und konnten verklagt werden wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, wird dieser nun von der »Regierung« bestellt!

»Nicht wirklich!« Bestellt wurde er vom Schäuble, das auch in der »Regierung« sitzt, in einem seiner zahlreichen »Vorstöße«. Abbestellt hat ihn danach das Europa-Parlament.

Wenn die »Regierung« jedes Mal pochen würde, wenn das Schäuble in bekannt finströses Terrain vorstößt, gäbe das bald, vielleicht auch unter uns Christen einmal einen großen „Heiden-Lärm“. Doch die »Regierung« wird sich hüten. Es ist besser, die »Regierungsarbeit« geht still und leise von Vorstoß zu Vorstoß, macht kein Getöse drumherum und auch nicht viel Aufhebens um Grundgesetzänderungen; sie schlägt lieber woanders Alarm.

Wenn das Schäuble etwas tut, schrillen nur bei merkwürdigen Gesellen und finsteren Gestalten, die etwas zu verbergen haben, die Alarmglocken; sie wollen das Schäuble überwachen, aber verstehen nicht, daß das völlig unnötig ist; es macht seine Vorstöße in aller Öffentlichkeit (und Zeitungen schreiben, Gott sei‘s getrommelt und gepfiffen, Gott sei Lob und Dank noch darüber!). Das Schäuble braucht für sich weder Überwachung noch Kontrolle. Es ist Die Kontrolle.

Ich kann das Schäuble nicht mehr weiter beobachten, mir ist sein Treiben zu anstößig, (das nennt man »Fremd-Schämen«). Zukünftigen, jetzt schon angedeuteten »Vorstößen« ist zu entnehmen, daß Es mich („mich“ hier in Stellvertretung für die gesamte Deutsche Bürgerschaft) überwachen will. Ein Vorschlag von mir zu diesem unleidlichen Thema, der sicherlich nicht fehl geht: Das Netz absuchen nach verdächtigen Begriffen wie »Schäuble«. Wer das Wort verwendet, bei dem ist womöglich etwas im Busch.

Liegt das Schäuble eines Tages von Psychologen und Historikern nackt gescannt als Abbild eines öffentlichen Ärgernisses vor uns, sehen wir errötet und dezent weg, wie wir das jetzt schon tun, und überhören die Frage, warum wir auf die »Bedrohungslage«, die von ihm für die Demokratie ausging, nicht rechtzeitig und angemessen reagiert haben.
Aber das ist schrille Zukunftsmusik – die kann noch kein Gehör finden.