Archiv für den Monat: Mai 2009

31. Mai 2009

Keine Grundrechte bitte

Ich habe ein Interview aus einem Film abgetippt und weiß nun nicht, ob ich das alles zitieren darf, wer ein Copyright auf den gesprochenen Bandsalat hat und warum der Inhalt noch immer keiner Zensur unterliegt. Wer nur Mist redet, darf das für sich behalten, erst wer Mist macht, ist der wahre Handelnde, das Vorbild für Verehrer von Gestaltern der Zukunft, und gehört der Allgemeinheit vorgeworfen. In diesem schnell hingeschriebenen Sinne füge ich etwas Perverses in meinen harmlosen Spaßblog ein. Da es sich beim Inhalt um etwas durch und durch Pervertiertes handelt, erwarte ich Zensur und ein Stop-Schildchen.

Das Perverse habe ich aus dem Film »We feed the World« abgetippt, den man öfters sehen sollte, zumindest aber zweimal, denn sonst überhört man die letzten Worte, die „ein Verantwortlicher der Nestlé-Gruppe“ der Menschheit ankündigt. Wie dieser Mann heißt, spielt keine große Rolle; es ist nicht die Person, die spricht, sondern die Position. Der Mann ist ein Strohmann, aber keiner, der vor Hintermännern steht, sondern einer, der ins Feuer läuft, und den Zuschauern sein Verbrennen für Leben verkauft. Dabei ist sein Geschäft andern das Wasser abzugraben:

… Also Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung äh, privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene äh Anschauungen. Die eine Anschauung, extrem würde ich sagen, wird von einigen, von den NGOs [Non-Governmental Organization] vertreten, die darauf pochen, daß Wasser zu einem, ähähm öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt als Mensch sollten sie einfach Recht haben Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung, na, und die andere, die sagt: Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben. Ich persönlich glaube, es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, so daß wir alle bewußt sind, daß das etwas kostet und dann anschließend versucht [wird], daß man mehr spezifisch für diesen Teil der Bevölkerung, der keinen Zugang zu diesem Wasser hat, daß man dann dort etwas spezifischer eingreift, und da gibt’s ja verschiedene Möglichkeiten, also.

Natürlich sollte nicht unerwähnt bleiben, wie der Mann mit Namen heißt, man täte seiner Stellung unrecht: Peter Brabeck. Ich halte mich an ein paar Zeilen die Bert Brecht in seiner Kriegsfibel schreibt:

… Doch auch das Schicksal, Frau, beschuldige nicht,
die dunklen Mächte, Frau, die dich da schinden,
sie haben Name, Anschrift und Gesicht.

Man sollte gesprochene Worte nicht überbewerten, dennoch möchte ich auf jedes „Äh“ und den kleinen Versprecher („herausgezahlt“ statt „herausgezeigt“) hinweisen. Ein Äh ist in der Rede ein Innehalten, eine kleine Korrektur fast wie Räuspern, ein Gedankenstrich und gleichzeitig eine Umleitung auf der Suche nach dem richtigen Pfad auf dem Worte liegen, die das Gewünschte möglichst neutral nahe bringen sollen. Es fehlen auch Herrn Brabeck die Worte für einen kurzen Moment für etwas, wovor man durchaus sprachlos stehen kann.
Zum Thema Arbeit fürs Humankapital und soziale Verantwortung, sagt der Verantwortliche:

Ich bin immer noch der Meinung, daß die größte soziale Verantwortung jeglichen Geschäftsführers darin besteht, daß er die Zukunft, die erfolgreiche profitable Zukunft seines Unternehmens festhält und daß er die sicherstellt, denn nur wenn wir langfristig weiter bestehen können, sind wir auch in der Lage in der Lösung von den Problemen, die’s ja auf der Welt gibt, aktiv teilzunehmen. Wir sind in der Lage zunächst einmal selbst Arbeit zu schaffen, 275.000 hier, 1,2 Millionen im Prinzip direkt von uns abhängig direkt von uns abhängig und das macht ungefähr 1,5 Millionen Personen, weil hinter jedem Angestellten noch einmal drei Leute dahinter [stehen], also mindestens 4,5 Millionen Personen, die direkt von uns abhängig sind, 4,5 Millionen Personen, die direkt von uns abhängig sind. Wenn sie Arbeit schaffen wollen, dann müssen sie arbeiten und nicht so wie’s in der Vergangenheit gewesen ist, daß man die bestehende Arbeit verteilt. Wenn sie sich erinnern, das Hauptargument des äh äh der 35-Stunden Woche war, daß es nur eine gewisse Arbeit gibt und es ist besser, wir arbeiten weniger und verteilen dann die Arbeit an mehr. Das hat sich ganz klar herausgezahlt, äh herausgezeigt, daß das absolut falsch ist. Wenn sie mehr Arbeit schaffen wollen, müssen sie mehr arbeiten. Dazu müssen wir ein positiveres Weltbild schaffen für die Menschen …
Die Japaner – Ich meine wie (?) modern diese Fabriken sind, hoch robotisiert, fast keine Leute.

Hier endet der Film. Peter Brabeck steht alleine vor einer Wand aus Monitoren und betrachtet seine Zukunftsvision der Arbeit für niemanden. Fast ist er zu bedauern; wie einsam diese Seele vor dem nichts steht, an das sie glaubt.