Archiv für das Jahr: 2009

17. Februar 2009

Die vertagte Auslegung

Abkupfern heißt heute Koppi-änd-Päist (der »Eindeutscher« sagt: Kopieren & Einfügen). Es bezeichnet eine Arbeitsweise mit der gelegentlichen Zeitungsberichten zufolge bereits Schulabschlußarbeiten „geschrieben“ werden sollen. Schüler und Studenten bedienen sich ihrer zur „Erschleichung besserer Noten durch unerlaubte Hilfsmittel“ (so umschrieb es einmal ein Lehrer). Früher hieß das „Abkupfern“, und war, noch früher, ein Handwerk, das dem Kupferstecher zugeordnet war. Abgekupfert wurde mit einem feinen Stichel; heute macht das die ungleich gröbere Maus, deren Einführung nahezu die gesamte Arbeitswelt verändert, »revolutioniert«, hat.
Der Kupferstecher war einstmals ein Künstler, der sein Handwerk beherrschen mußte, und schon beim oberflächlichen Betrachten mit Stümperei durchfiel. Dem abkupfernden Copy&Paster ist schwerer auf die Schliche zu kommen. Er ist vornehmlich ein Quellenforscher, der nur die Ergebnisse seiner Nachforschungen bekanntgibt, seine Quellen aber verschleiert.
Wenn es auch anders aussieht, Copy&Paste ist in diesem Blog nicht die Arbeitsmethode; hier wir noch von Hand eingetippelt. Meine Quellen liegen offen, sind Open Source, die allerdings nicht immer munter im Internet sprudeln, sondern sich auch als Druckerschwärze auf dem Papier verfestigt haben.

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12. Januar 2009

Befrager antworten mit Premium-Komfort

Eine unbedeutende An-den-Rand-Geschrieben-Notiz machte mir am Wochenende erneut mein verkümmertes Gefühlsleben deutlich. Einer eingängigen Studie zufolge soll es Menschen geben, die 20 Jahre lang dauernde Euphorie empfinden können. Nehmen sie zu viel Ecstasy oder leide ich an Bua- oder Boa-Lecithin-Mangel, ist in meiner Waschseife zu wenig Ringelblumen-Extrakt, schwimmen in meinem Mittagssüppchen zu geringe Spuren an wertvollen Spurenelementen? Ist meine Aufnahme an wertlosen Mineralien und Ballaststoffen zu groß oder zu klein? Selbst die tägliche Prise in alles vermengte Geschmacksverstärker bringt mich nicht in Hochstimmung.

Mauerfall: Euphorie weg hieß die Überschrift. Wenn Mauern fallen, können Leute begeistert sein, kann ich mir vorstellen; innere Mauern soll man erst gar nicht haben, sie sind für den freien Menschen eine Schande, und deshalb werden Mauern immer wieder fallen. Also kein Wunder, daß die Euphorie über gefallene Mauern irgendwann mal wieder weicht. Es kommt ohnehin sehr darauf an, wo man gerade sitzt, wenn die Mauer fällt.

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