13. März 2011

Von Kernschmelze ausgehen

Röttgen geht von einer Kernschmelze aus

überschreibt die Frankfurter Rundschau eine Pressekonferenz mit dem Umweltminister. Wohin führt ihn sein Gang? Von wo er ausgeht, wissen wir nun. Für unsere Zukunft wird wichtig sein, wohin er geht. Was er machen wird, haben wir spätestens seit der mißlungenen Einführung des „Biosprites“ E10 erlebt: Einberufung einer Konferenz, und alle Beteiligten und Kritiker, Autoindustrie, ADAC und Mineralölkonzerne darauf zu drängen, weiterzumachen wie bisher, lediglich die Anstrengungen in Bezug auf „Aufklärung“ zu erhöhen. Die Regierung schaltet ganz offen um auf: Propaganda. Das soll funktionieren, es ist das Mittel der Wahl, das gar nicht mehr verdeckt werden muß.

Von der Kernschmelze wird ausgegangen. Das Wort, das, wenn man schon geht, vermieden werden soll, heißt „Laufzeiten“. Deshalb spricht er mit genügend moralischer Verärgerung, eine erneute Diskussion über Atomkraft halte er für deplatziert –

für völlig deplatziert, um es ganz zurückhaltend zu sagen.

Deplatziert – wo wäre denn der richtige Platz? Nur ein paar Zentimeter daneben. Die ganze Zurückhaltung, mit er das zurückweist, verrät einen kaum verhaltenen Zorn darüber, daß eine Diskussion oder “Debatte” wieder aufkommen könne, welche die Regierenden für völlig abgeschlossen betrachten, seitdem sie punktum vertragliche Tatsachen geschaffen haben, an der noch weitere Generationen nichts mehr ändern sollten. ‚Darüber reden wir nicht mehr!‘ – so klingt es, wenn ein „Wirtschaftsexperte“ (!), Herr Fuchs, Parteimitglied, sagt: „Es ist nicht berechtigt, aus den Ereignissen in Japan Rückschlüsse auf die Nutzung der Kernenergie in Deutschland zu ziehen“. Nicht einmal die Berechtigung ist vorhanden, es fehlt uns die vertragliche Grundlage. Der Wirtschaftsexperte sagt nicht, daß es falsch sei, so etwas zu behaupten, auch wenn er es meint; er sagt nur die Wahrheit: es ist zementiert worden, und abgesichert. Das Restrisiko der Verantwortung werden gewiß nicht übernehmen: das Merkel, Röttgen, Fuchs u.a. wenn sie auch sonst immer gleich dazu stehen, was sie machen; im Ernstfall bekommen sie in schlechten Träumen nur graue Haare.

Was vermuten die Experten und Befürworter, die doch gerade erst alles so schön unter Dach und Fach hatten? Es klingt sehr deutlich heraus: daß die Gegner aus der Katastrophe Kapital schlagen könnten. Dafür zeigen sie moralische Entrüstung, die Kapital genug sein sollte – die stets und immer gut aussieht, gerade bei Männern und Frauen in Geschäftsanzügen – andere müssen sie nicht öffentlich demonstrieren. Kapital wird genug aus der Atomkraft gezogen! Das weiß die Regierung bestimmt sehr gut. Nur kein moralisches! Das wäre jetzt von Nöten, es eilt, denn es stehen Wahlen an.

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