Archiv für den Monat: August 2011

31. August 2011

Debattenende!

Zu Westerwelle gibt es einen Nachrichtenüberblick, betitelt: „Westerwelle ist untragbar“ – Wäre er tragbar, wäre er vielleicht eine Neoprenhose oder eine Krawatte. Andererseits gilt in der Modebranche, wenn etwas nur tragbar ist, ist es so gut wie untragbar. Bloß tragbar zu sein, ist zu wenig. Das Amt des Außenministers trägt die Mode ja schon beinah im Namen; außen ist die Verkleidung, innen ist die Verhaltung. Wer trägt Westerwelle? Seine Überzeugung. Wen trägt Westerwelle? Seine Selbstüberzeugung. Die Frage der Föjetons und Leidartikler dieser Tage ist: Wie lange ertragen wir ihn noch? Wir Leser und wir nach außen Repräsentierte. Dabei findet Westerwelle in einer Frage bei den repräsentativen Deutschen mehr Anklang als zur Zeit unter den Redaktören, die ihre Meinungen ansonsten von den Lesern getragen sehen möchten: hinter dem Nicht-Libyen-Einsatz und der gelungenen Embargo-Politik steht der Deutsche, Parteicolorit spielt beinahe keine Rolle; Westerwelle kann sich als die Gesicht gewordene Gestaltung unserer bedingungslosen Friedenshaltung ansehen; der Deutsche steht, wenn er wo stehen muß, besonders hinter dieser rückhaltlosen Haltung.

Leser schließen sich der Westerwelle-Demontage, dem Westerwelle-Bäsching, nicht an, sondern verkünden z.B.:

„Gewiß, Gaddafi war unangenehm [?], aber die Ansicht, man könne aus diesen durch Stammeskultur geprägten Ländern westliche „Demokratien“ machen [Anführungsstriche nicht von mir; Ausdruck der Skepsis des „westlichen“ Lesers gegenüber allem, was als „sogenannt“ apostrofiert werden muß, und im eigentlichen Sinne schon nicht mehr eigentlich ist, sondern fremdgesteuert – Anmerkung der Redaktion] […] Ich war gewiß kein Westerwellefan. Aber ein Aussenminister, der sich kriegerischen Abenteuern verweigert, verdient Lob und Anerkennung.“

Abenteuer mit Stammeskultur, das liegt weit hinter uns! Westerwelle hat erkannt, daß er kein Stammeshäuptling sein kann, die Leser sehen das auch so und belassen jeden gerne in seiner eigenen Primitiv-Kultur – multikulturell gedacht.

Herr Rösler sagt, das Ende der Debatte über seinen Chef ist da, Punkt. Aber Redaktöre lassen nicht locker und gehen erst recht an die Arbeit – und was Herr Rösler sagt, hat schlußendlich *** Gewicht auch für mich. Kein Westerwelle mehr! … bis zum nächsten Blödsinn aus einem würdevollen Amt.


*** Schlußendlich: Westerwelle bleibt, schreiben die Schreiber, von Röslers Gnaden, bis der ihn auslöst. Röslers Worte haben Gewicht. Sie beschweren auch mich zukünftig, und ich finde das gut, und sehe zu wie sich die FDP in die radikal-basis-demokratischste Partei Dtlds. verwandelt: Gleiche Krankenkassenbeiträge für jeden, gleiche Zuzahlungen, gleiche Versicherungsbeiträge, alles gleich – nur nicht das Gehalt. Ein paar Unterschiede dürfen bleiben, sonst sähen wir alle gleich aus, und wenn jeder dasselbe Gesicht auftrüge, das fände ich untragbar. Vorerst.