28. September 2011

Danke, viel mehr Danke

Wenn man früher etwas einkaufte, konnte man gelegentlich hören: „Danke für den Einkauf“. Wenn man etwas im Internet bestellte, gab’s die automatisierte Antwort-Mail: „Wir bedanken uns für den Einkauf“ – gibt es noch. Ich schreibe so eine ähnliche Formel auf meine Rechnungen, die ich stelle. Wer auf ebay einkauft oder ähnlichen Welthändlern, wird nach dem geglückten Einkauf aufgefordert seine Bewertung abzugeben: über die Beschreibung des Gegenstandes, über die Einfachheit der Zahlungsabwicklung, über die Korrespondenz mit dem Verkäufer, über die Schnelligkeit der Warenlieferung. Das mündliche Pendant zu dieser Befragung lautet an der Kasse eines Einkaufsparadieses: „War alles in Ordnung?“ Man ist genötigt an „alles“ zu denken! Die Zeit dazu bleibt nicht, weil der Hintermensch schon drängelt und zahlen will, also nickt man, bejaht oder sagt einmal laut nichts, wie ich es tue.

Im Internet dauert das länger – man hat ja Zeit Zuhause und sitzt vor der Ware und freut sich oder ist verärgert. Es kommt einem Nachsitzen gleich, bei dem man seinen Einkauf noch einmal überarbeitet, nicht in Hinsicht darauf, ob es nötig war, sondern wie gut & reibungslos die ganze Prozedur verlief. Man vergibt Punkte wie in der Schule. Zu bewerten gefällt, man glaubt sich in einer besonders bevorzugten Rolle.

Schleichend übernimmt man selbst vieles, was vorher Service/Dienstleistung war und zahlt dafür mit der eigenen Zeit. Man hat die Zeit zwar nicht gestohlen, und möchte „geschenkte Tage“ wie diese schönen Herbsttage, nicht vergeuden, aber das übernimmt man freiwillig.

Manche Großhändler, die merken, daß ihre Kunden etwas träge mit dem Bewerten geworden sind, liefern gleich Vorschläge mit wie man bewerten sollte – nur noch copy & paste! Aber bitte dem Link folgen, alles weitere geht halbautomatisch und man wird kundenfreundlich in die richtige Einfügmaske geführt.

Heute kam ein Päckchen, da schrieb noch einer handschriftlich ein paar Worte dazu: ein Danke, mit Unterschrift! Viel hatte ich ja nicht bestellt, aber ein echtes Danke ist es wert gewesen.

Unter dem Danke, standen noch ein paar Worte, die ich nicht sofort begriff:

Danke, viel mehr hier >>>

Bild: Danke viel mehr

Eine Einladung zu einem Ernte-Dank-Fest? Dort gibt’s noch mehr Danke? Ist doch das eine schon genug!

Werch ein Illtum! Ich sollte mich nicht bedanken auf der Seite des Zwischenhändlers, bei dem er angeboten hatte, sondern gleich direkt bei ihm selbst, auf seiner eigenen Seite meinen Dank an ihn abschulden. „Ein Danke ist wie viel wert?“ sollte man im Gegenzug fragen, so daß man immerhin anerkennt, daß der Marktgedanke bis tief ins eigene Innere gedrungen ist.

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