21. März 2018

Hash-Tag Welt-Poesie-Tag

Poetron Kunstworte

Den Welt-Poesie-Tag will ich nicht versäumen ohne Poesie getextet / geblogt zu haben, dabei ist gerade die Aussicht an so einem Tag wirklich (als Poet) anerkannt zu werden gering; man kämpft schon gegen Poetomaten, die ihre Sache beinah so gut machen wie metafüßische Regentonnen-Lyriker.

Aufmerksam gemacht auf diesen schönen sonnenreichen Welt-Tag hat mich ein Gedicht des Nachrichtenportals heise-online über sich selbst, geschrieben von digitalen Assistenten und Bots mit künstlicher Intelligenz:

  • Ein Abschied dem Depp
  • Die Geliebte streichle.
  • Sie streichle und sie buddle!
  • Ach Heise, gehaßtes Wesen du,
  • Wozu die Welten jetzt ernähren?
  • Die Narrenzeit vergeht,
  • Es streicheln die allmählichen Elektronenhirn,
  • Und ewiger Unfug vergiftet die Seelen!

Das kann in meinem Blog der Denkpausen als guter Beitrag bestehen.

Vergangene Welt-Tage sind mir nicht als solche bewußt geworden. Es ist der poetische Zeitgeist der letzten Wochen, der Nachrichten aufmischt und mich wieder aus dem Fenster sehen läßt, hinaus in Vorgärten und auf beschneite Ziegeldächer.

Vergangen ist der Welt-Nichts-Tag, 16. Januar, ein bedeutungsvoller Tag für mich. Ich hätte einige Seite Nichtiges zum Thema beitragen können. Ich mach es nächtes Jahr. Bis dahin hoffe ich (nicht umsonst gewiss) nichts gemacht zu haben.

Vergangen der Welttag der Jogginghose, 21. Januar; (kein Wort zur Jogginghose); der Tag der Schwertschlucker, der zugleich Tag der Tiefkühlkost ist, (23. Januar) – vielleicht ist Tiefkühlkost das Essen der Schwertschlucker? Keine Zusammenfügung ist bedeutungslos, irgendwas muß und wird ja alles bedeuten, nur das Nichts …

Auf den 7. März, der Weltgebetstag der Frauen, (für was wird da gebetet?) folgte der, den ich mit schlechtem Gewissen übergangen habe: der Internationale Tag der Frau. Ich habe keine Blumen verschenkt, was erwartet worden ist. Der Internationale Tag der Frau schien mir eher weltpolitischen Charakter zu haben, da sollte ich gerade nicht mit Blumen auffahren (siehe letzten Beitrag zu einem sexistischen Gedicht) und unnötigerweise in der: Hash-Tag (Tag des Häsch-Tags?) #metoo-Debatte auf mich aufmerksam machen.

Ich verrenne mich vielleicht in unhaltbare Positionen und müßte meinem moralischen Selbstverständnis gehorchend, mich zuerst downsizen und anschließend aus allen meinen Filmen und Fotos herausschneiden, bevor die Frauen meines Lebens das erledigen.

Die Konkurrenz zum Internationalen Frauentag wird am 2. Juni begangen: Internationaler Hurentag. Ein Fix-Termin für Firmen, die ihren Angestellten einen Wellness-Ausflug gönnen – vormerken: an diesem Tag womöglich Alles-was-Du-willst einschließender Service für nur einen Euro.

Am 1. September, Internationaler Tag des Bartes, werde ich mein wahres Gesicht zeigen.

Der 5. September wird kein Welt-Tag, er ist ein deutscher Geschichtstag: Deutscher Kopfschmerz-Tag heißt er.

Bis dahin wird der deutsche Bürger aufgeklärt worden sein, was nun wirklich zu Deutschland gehört. Was nicht, das weiß man schon mal, es ist auch leichter herauszufinden. Horst Seehofer, neuester Innenminister mit heimatlichen Befugnissen betraut, der diese wichtige Debatte dort erneut aufgegriffen hat (und von mal zu mal wieder aufgreifen wird), wo sie immerzu stehen bleibt (Sie werden fragen wo?) – Seehofer gehört, das ist meine Meinung, nicht zu Deutschland, er gehört zu uns, den echten Bayern, auch wenn er nach Berlin »wechselt« oder sich nur umzieht: er ist und bleibt ein Bayer, ein »Mia-san-Mia-Mensch« mit hochdeutsch-gefärbtem bairischem Ein-Viertel-Dialekt. Ich bin stolz auf ihn, er bringt uns Bayern immer wieder ins Gerede. Das kann nur gut sein, denn wir brauchen ein festes Reiterstandbild von uns allen, nicht in Marmor gehauen, sondern in Weißwurst formvollendet.

Der 14. Oktober, Welttag des Standards (ISO) wird ein Festtag: Was gehört zur Welt? Was ist Standard, also normal und was … wichtiger: wer ist nicht normal? Der Universum-Tag des Algorithmus klärt uns die Standard-Frage aller Versicherungen, Marktforscher und Psychologen auf, eines Tages.

Gehört Poesie zu Deutschland? Natürlich. Wir haben Heine, Goethe, Walser, Weiler und Walther von der Vogelweide.

Gehört Geschichte zu Deutschland? … Nicht schon wieder, ich kann’s nicht mehr hören. … Und weil sie selbstverständlich nicht dazu gehört, wie … Shintoismus und Seegurkengerichte (da mußte ich nicht lange überlegen, so wie’s die Frage verlangt) … soll zum Abschluß ein Chanson folgen, Bettina Hirschbergs Vertonung des Gedichtes »Sommer 1939« von Louis Fürnberg.

Sie ist die Stimme meines Poesie-Tages. (Ich freu mich auf ihr nächstes Konzert).