28. September 2011

Deutliche Schlagwörter pauerd bei WieFindenWirDas

Folgende Schlagwörter generiert eine Schlagwortgenerierungsmaschine für einen Stern-Artikel über einen „Börsianer“, „der den Deckmantel über das, was in dem Bankenviertel wirklich gedacht wird, gelüftet hat“.

Das traut sich nur eine Maschine, ein Redaktör wird das retuschieren:

Stern Artikel: Die böse Beichte eines Börsianers

Von Maschinen sollte man lernen. Ich muß ohnehin meine Schlagwörter auf Vordermann bringen. Auf zum Trimm-dich-Pfad der Schlagwörter.

28. September 2011

Danke, viel mehr Danke

Wenn man früher etwas einkaufte, konnte man gelegentlich hören: „Danke für den Einkauf“. Wenn man etwas im Internet bestellte, gab’s die automatisierte Antwort-Mail: „Wir bedanken uns für den Einkauf“ – gibt es noch. Ich schreibe so eine ähnliche Formel auf meine Rechnungen, die ich stelle. Wer auf ebay einkauft oder ähnlichen Welthändlern, wird nach dem geglückten Einkauf aufgefordert seine Bewertung abzugeben: über die Beschreibung des Gegenstandes, über die Einfachheit der Zahlungsabwicklung, über die Korrespondenz mit dem Verkäufer, über die Schnelligkeit der Warenlieferung. Das mündliche Pendant zu dieser Befragung lautet an der Kasse eines Einkaufsparadieses: „War alles in Ordnung?“ Man ist genötigt an „alles“ zu denken! Die Zeit dazu bleibt nicht, weil der Hintermensch schon drängelt und zahlen will, also nickt man, bejaht oder sagt einmal laut nichts, wie ich es tue.

Im Internet dauert das länger – man hat ja Zeit Zuhause und sitzt vor der Ware und freut sich oder ist verärgert. Es kommt einem Nachsitzen gleich, bei dem man seinen Einkauf noch einmal überarbeitet, nicht in Hinsicht darauf, ob es nötig war, sondern wie gut & reibungslos die ganze Prozedur verlief. Man vergibt Punkte wie in der Schule. Zu bewerten gefällt, man glaubt sich in einer besonders bevorzugten Rolle.

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24. September 2011

Nachruf auf den Nachruf

Mark Zuckerberg, 26, founder of Facebook, der laut »Guardian« schon mehr als 6,9 Mrd $ wert ist, und der „fastest riser on Forbes rich list“ ist, habe „verlangt“, schreibt »Spiegel online«, daß jeder Juser von Facebook seinen eigenen Nachruf schreibe und ihn immer wieder auf den neuesten Stand bringe. Facebook solle zum Logbuch des eigenen Lebens werden.

Zu jedem Tag – eigener Vorschlag – könnten automatisch Wetterdaten hinzugefügt werden, wichtige Verkehrsmeldungen aus dem Wohnort, größte Staus im Land, Katastrophenkurzberichte wie Taifune an Atomkraftwerksküsten, politische Tsunamis und Daxlinien – als Hintergrundmusik zur Lebensstatistik. Fände ich gut, weiß ich doch selbst nie wie letztes Jahr das Wetter war und gar erst vor zehn oder zwanzig Jahren, als mal etwas Wichtiges in meinem Leben geschah. Die Weltereignisse müssen in Relation gesehen werden zum eigenen Dasein, nur so gewinnen sie Berechtigung, erwähnenswert zu sein.

Die notwendigen Updates zu den Lebenslogbüchern wird bald, sollte das einige Jahren gehen und der Schreib-Überdruß einkehren, automatisch ablaufen; an einer Äpp arbeitet schon ein Fleißiger.

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2. September 2011

Tabubruch aus Gefälligkeit

Frau Roche war wieder in einer Talgschau; dort schmiert man sich normalerweise gegenseitig die Butter vom Brot. Bei Frau Roche ist das anders: alle wollen mit draufschmieren und tun es auch. Wegen der Medienbeliebtheit von Frau Roche holt man sich mal Schoßgebete-Buchbesprechungen auf die Seite Drei, wo sonst nur Weltnachrichten stehen, klebt ein Foto der zierlichen Dame mit den derben oder auch „provokanten“ Sprüchen daneben und ergießt Lobeshymnen in die offenen Münder der Leserschaft: endlich ein Sommerloch, das die Zuhausegebliebenen bei der Stange hält!

Der Sommer ist vorüber, die Werbereise für den Megabesteller wird noch bis Weihnachten dauern, dann ist letzte Gelegenheit im Jahr an das notwendige Erbrechen von Tabus zu erinnern und etwas „Rotzfreches“ für die Weihnachtsgabentischbestückung zu verkünden.

„Die Grenzen des Sagbaren“, schrieb ein Lober (das Wort ist direkt von der Grenze), „müssen erweitert werden.“ Keine Frage, ein Muß ist ein Muß. Das Buch scheint es zu tun. Über Leseproben kam ich selbst nicht hinaus. Für mich ist es Drauflos-Geplappere, das ich nicht weiter lesen kann; es scheint, daß Pop-Literatur, dazu zählt man das Buch, von Poppen kommt, und entweder stinkelangweilig ist oder tabuerbrechend flach. Eines Tages, wenn ich das Buch gelesen haben werde, werde ich meine Meinung ändern müssen; vorerst beschäftigt mich mehr die Bereitschaft der Medien und ihrer Autoren tragender Teil („quotengeile Erfüllungsgehilfe“ – unsäglicher Forums-Leserkommentar) des „Hypes“ um die Kult/Star-Autorin zu sein. Die „Debatte“ gibt bestimmt so viel her wie das Buch: Feminismus-Überdruß, Generationenkonflikt, Tabus, Porno & Sex & langweiliges Leben in grenzenloser Konsumbereitschaft.

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31. August 2011

Debattenende!

Zu Westerwelle gibt es einen Nachrichtenüberblick, betitelt: „Westerwelle ist untragbar“ – Wäre er tragbar, wäre er vielleicht eine Neoprenhose oder eine Krawatte. Andererseits gilt in der Modebranche, wenn etwas nur tragbar ist, ist es so gut wie untragbar. Bloß tragbar zu sein, ist zu wenig. Das Amt des Außenministers trägt die Mode ja schon beinah im Namen; außen ist die Verkleidung, innen ist die Verhaltung. Wer trägt Westerwelle? Seine Überzeugung. Wen trägt Westerwelle? Seine Selbstüberzeugung. Die Frage der Föjetons und Leidartikler dieser Tage ist: Wie lange ertragen wir ihn noch? Wir Leser und wir nach außen Repräsentierte. Dabei findet Westerwelle in einer Frage bei den repräsentativen Deutschen mehr Anklang als zur Zeit unter den Redaktören, die ihre Meinungen ansonsten von den Lesern getragen sehen möchten: hinter dem Nicht-Libyen-Einsatz und der gelungenen Embargo-Politik steht der Deutsche, Parteicolorit spielt beinahe keine Rolle; Westerwelle kann sich als die Gesicht gewordene Gestaltung unserer bedingungslosen Friedenshaltung ansehen; der Deutsche steht, wenn er wo stehen muß, besonders hinter dieser rückhaltlosen Haltung.

Leser schließen sich der Westerwelle-Demontage, dem Westerwelle-Bäsching, nicht an, sondern verkünden z.B.:

„Gewiß, Gaddafi war unangenehm [?], aber die Ansicht, man könne aus diesen durch Stammeskultur geprägten Ländern westliche „Demokratien“ machen [Anführungsstriche nicht von mir; Ausdruck der Skepsis des „westlichen“ Lesers gegenüber allem, was als „sogenannt“ apostrofiert werden muß, und im eigentlichen Sinne schon nicht mehr eigentlich ist, sondern fremdgesteuert – Anmerkung der Redaktion] […] Ich war gewiß kein Westerwellefan. Aber ein Aussenminister, der sich kriegerischen Abenteuern verweigert, verdient Lob und Anerkennung.“

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25. Juli 2011

Girl Magnet gucken

Man liest, man sieht und man denkt – man kann es nicht abschalten: genau dafür ist Werbung an allen Orten. Daß man in der Öffentlichkeit sinnlose Plakate sieht, die keinen Zusammenhang haben, ist selten, aber seit der Es-muß-ein-Ruck-durch-Deutschland-gehen-Bewegung vor 20 oder etlichen Jahren auch nichts mehr Neues. Man könnte seither wissen, daß nichts dahinter steckt außer einer ärmlichen Mitteilung. Immerhin steht ein Bundespräsident mit seinem Namen für den berühmten Ruck, der nicht über den Plakatrand hinausging. Man hat nie erfahren, was der Ruck war, noch hat man ihn verspürt – ich habe keine außerordentliche Rempelei in Erinnerung.
Doch vor ein paar Tagen fühlte ich mich angerempelt:

Bild: Gucken

stand auf der Rückscheibe eines örtlichen Linienbuses. Ich konnte nix sehen! Ich wußte nicht, wo die Werbung dazu war. Dafür wurde ich mir bewußt, daß ich wohl geguckt hatte; es war mir, als wäre es das erste Mal in meinem Leben gewesen. Es hätte auch der markante Spruch eines Kabarettisten sein können, der mit einem Bus durch die Lande zieht, aber es war nur ein Abklatsch davon, nicht so direkt („Was guckst du!“). Ich muß mich damit abfinden, daß ich „gucke“; ich habe keinen Einfluß darauf, was andere wahrnehmen und wie sie es artikulieren. Wer guckt, sieht immer irgendwie blöd aus.

Vielleicht gucke ich hinterher, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe – gucke einer Dame auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach. Ich hab ja nichts zu tun, während Moreno Blumen abschnüffelt und sich mit jedem Schritt viel Zeit läßt.

Bild: Girl Magnet
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23. Juli 2011

Die Cedri

Neben manchen guten Gerüchen, die ich zur Zeit vermisse (Flieder, Jasmin), gibt es eine Frucht, die ein Teil meines Ichs, mein Gaumen, sehr vermißt: Die Zedratzitrone.

Bild: Zedrat-Zitrone

Es ist mir persönlich ein großes Anliegen zu ihrer Ansiedlung in der deutschen Küche beizutragen! Momentan gibt es sie leider nicht; sie ist auch sonst nur schwer zu finden in deutschen Obst- und Gemüsegeschäften. Man muß sie sich von dem Gemüsehändler seines Vertrauens erbetteln. Was er nicht kennt und vielleicht keiner kauft, wird er nur schwer in seinem Sortiment aufnehmen; es sei denn, er ist ein Genießer. – Was meine Leser vielleicht nicht kennen – sie werden es gerne verköstigen wollen, weil ich ihnen diese Zitrone ans Herz drücke!

Man kann sie in sehr dünnen Scheiben essen, kann sie mit Öl beträufeln, zu Salaten geben – oder am besten in ganz dünnen Scheiben essen! Man ißt den Geruch der Zitrone! Der saure, erfrischende Geschmack der Zitrone wird genießbar durch die dicke weiße, milde Schale. — Ein Genuß, auf den ich wohl bis zum Winter werde warten müssen. Aber ich frage bei meinem Gemüsemenschen immer wieder nach! Fragen auch Sie bei Ihrem Obststand oder Ihrem Einkaufsparadies – und helfen Sie der Zedratzitrone (Zitronat-Zitrone) zu ihrem angemessenen Platz in der deutschen Wurst- & Gourmetküche.

Wir haben eine Vorliebe für das Mediterrane (Pizza, Dosen-Ravioli, Amore Amore und Olivenöl) – warum holte die begüterte, genußverwöhnte „Toskana-Fraktion“, die Häuschen und Lebensstil in Italien aufkauft, sie nicht mit herauf? Weil sie noch weiter südlich nicht einkaufen fährt? Nach 30 Jahren Cappuccino in Deutschland wird es Zeit für die Zedratzitrone!

Bild: Vorspeisenteller

Wenn es sie wieder gibt, werde ich diesen Beitrag wiederholen. Solange nur ein saurer Gaumenkitzler und ein Hinweis auf Cafè freddo

14. Juli 2011

Berufswunsch Berufsbildner

Online findet der jugendliche Leser, der vor den entscheidenden Schritten seines langen Arbeitslebens steht, genügend Anregungen für eine Berufswahl; bei mir ist es zu spät, mir einen vernünftigen Beruf zu erwählen. Berufsbilder dagegen könnte ich malen – gelegentlich so im Berufsbild des „Kunstmalers“ gefangen, daß mir nicht jede Art von Bildern vor Augen tritt – dabei fordert man gerade vom Künstler, daß er den Rahmen sprengt, in den ihn die Erwartung an sein Talent einsperrt. Berufsbilder schienen mir oft nur grau. Obwohl ich die Farbe Grau schätze, ja seit Jahren graue Bilder malen möchte, gelingt es mir nur selten, bei Grau zu bleiben.

Ein modern runderneuerter Blick auf Berufsbilder zeigt, daß sie mittlerweile in buntesten, ja grellsten Farben gemalt werden könnten; man möchte sie nicht nur zeichnen sondern gleich bildhauern!

Bild: Berufswunsch Headhunter

„Berufswunsch Headhunter“ ist da noch ein simpler Wunsch. Den Kopfjäger gab es schon einmal, er hatte das Geld noch im Namen. Geld ist nicht zweitrangig geworden in diesem Beruf. Auch sein Ansehen hat sich gewandelt: Der Headhunter ist begehrt. Der von ihm Gejagte kann sich glücklich schätzen, auf seiner Abschußliste zu stehen; ihm winken größeres Gehalt, weiteres Arbeitsfeld, höhere Position – und nicht der Galgen. Wie man sich einem Headhunter gegenüber verhält, »Spiegel online« gab für seine karrierebewußte Lesergemeinde Tips („Vorsicht wenn der Headhunter kommt“). Sicherlich gilt: kühlen Kopf bewahren! »Zeit online« sah im Zuge einer berichteten Studienreform „Kopfgeldjäger an den Unis“. Ob Sie dort studieren, (welches Fach? Anthropophagie?), oder ob sie nur ihre Tröphäen, die besten Köpfe, an den Haaren aus den Hörsälen heraustragen, steht im Kleingedruckten.

Bild: Kopfgeldjäger an die Unis!
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30. Juni 2011

Über Hundetexte

Für meinen letzten Blogeintrag habe ich endlich eine „Kategorie“ geschaffen (Hundetext). Mein Blogsystem empfiehlt das zur besseren Orientierung für den Leser; er weiß so leichter, was ihn erwartet. Bislang wollte ich diese Arbeit nicht auf mich nehmen. Man findet das oft in Blogs, da heißt es dann Israel, Palästina, Pfannkuchen zubereiten, Fußball, Live-Style, Reisen, Hirserezept.

Mein erster Blog ging online, weil ich mit meinem Hund spazieren ging, der, wie es immer in kurzen Gesprächen heißt, „seine Zeitung liest“, während ich mir über Gelesenes Gedanken machte, von denen manche dann niedergeschrieben und locker gebündelt als „Spaziergang“ zu lesen waren.

Damit hat die Kategorie Hundetext allerdings nichts zu tun. Meine Hundetexte entstehen durch eine Art „automatisches Schreiben“ immer dann, wenn ich noch weniger zu sagen habe als gewöhnlich, dafür irgendetwas tippen muß. Das ist wie eine Sprechprobe beim Telefonieren oder Skypen: „Sag mal was, damit ich hören kann, wie’s klingt.“ Mit eins zwei drei geb’ ich mich nicht ab. Beim Schreiben probiere ich eine Formatierung aus; man könnte auch das schöne „lorum ipsum“ nehmen, sogar urheberrechtsfrei, aber das hab‘ ich nicht zur Hand, und so tippe ich einen Satz, der meist mit „Der Hund …“ anfängt. Das fiel mir irgendwann auf – was ins Bewußtsein gerät, wird behalten; deshalb gibt es eine nun größere Anzahl Hundetexte.

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22. Juni 2011

[Der Hund]

Der Hund kam zu sich selbst und legte einen Gedanken über den See.
Dann aber zwei, drei, Viertel!
Jetzt geht es besser, sagte der Herrscher über das Licht, das er ausschaltete.
Dann kam ein großes Dann und sonst nichts.

Der Hund kam zu sich selbst und legte über den See einen Gedanken.
Dann aber zwei, drei, Viertel! Er hatte eine Armleuchte dabei.