Archiv für den Monat: April 2009

28. April 2009

Zwei Null

Der Fortschritt ist eine Bewegung nach vorne. Auf seinem Weg ist er unaufhaltsam und unbeirrbar. Der Weg ist allerdings kein bestimmter, weder darauf noch am Rand liegt etwas, der Fortschritt bastelt sich seine Umgebung selbst. Das unterscheidet seinen Weg von unserem, dem Lebensweg. Der will manchem vorgezeichnet erscheinen, vorausgeleuchtet von Sternen, von karmischen Verknotungen verwirrt oder von Gott verleitet. Man braucht, sagt gängige Lebensweisheit, ihn nur zu finden, dann kommen die Dinge, die einem begegnen sollen sozusagen entgegen. Dem Fortschritt begegnet nichts – was sich ihm entgegen stellt, das übergeht er, und blickt er einmal zurück, dann nur mit Spott: ein paar Schritte hinter ihm war nichts weiter als Steinzeit. Man könnte fast meinen, sie folgt ihm auf dem Fuß.

Im Kleinen hält mich der Fortschritt am Computer mit Software-Updates auf Trab. Bei mancher Software, mit der ich arbeite, warte ich auf den nächsten Schritt, die nächste Version; bringt doch jede Version eine Verbesserung meines »Work flow«, »Bugs« wurden »gefixt« und Fehler, die ich nie bemerkte, sind nun ausgemerzt. Wie genau es Software-Entwickler mit Fehlerbehebung nehmen können, lese ich aus der Version des Flash-Players, (das ist die Software, mit der man die überflüssigen Flash-Animationen [deshalb steht darunter auch oft: „Intro überspringen, hier klicken“] betrachten kann): 10.0.2.22.87. Wer seine Arbeit ordentlich macht, der muß zugeben: irgendwann hat jede Arbeit eine derartige Nummer, nur: veröffentlicht wird sie nicht. Da aber Software ein öffentliches Projekt ist und der Entwickler ohne die Mitarbeit des Benutzers gar nicht weiterentwickeln könnte, haben wir alle Teil an einem nie endenden „work in progress“. Das ist schon beinahe der Fortschritt selbst.

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1. April 2009

Schärz

Ein Erster April kann vorübergehen ohne daß man auf die Besonderheit dieses Datums aufmerksam geworden ist. Heute sagt niemand mehr zu mir: »Schau mal zum Fenster raus, dort fliegt eine blaue Kuh.« Blaue Kühe sind Wirklichkeit geworden. Mancher sehr Jugendliche hält laut einer Studie (wahrscheinlich war‘s nur eine Umfrage in der Familie) die »Milka-Kuh« für einen naturgegebenen, Schokolade produzierenden Almbewohner. Möglich, daß ich das am 1. April gehört oder gelesen habe, möglich, daß die befragten Jugendlichen jeden Tag für den 1. April halten und unwillig sind, vernünftige Auskünfte über ihren Wissenstand zu erteilen und allen weiteren Pisa-Studien-Studierenden eine Nase drehen.

Hätte ich heute nicht wieder einmal die Zeitung duchgeblättert oder wäre nicht online gewesen, dann hätte sich der Tag, den man als den Tag des freiwilligen Humors bezeichnen darf, ganz ohne Witz blaß und bleich einfach aus meinem Leben verabschiedet.

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