Archiv für den Monat: Juni 2009

19. Juni 2009

Unterm Frischgeldregen

Jeden Tag kann man mit jedem Wetter rechnen, es scheint die Sonne, es ist windig und es regnet. Neulich als ein Platzregen mich beim Schlendern übergoß, erinnerte ich mich an Die Regierung, die im Herbst vergangenen Jahres viel von Schirmen, die sie aufspannen möchte, verlauten ließ. Ich war schon nach ein paar Sekunden völlig durchnäßt. Das macht aber meiner Natur wenig aus, einem gnadenvollen Optimisten ist es Gewißheit, daß auf Regen Sonnenschein folgt und ihn der heftige Wind, der an keinem Tag ausbleibt, bald wieder getrocknet haben wird. Ist das Gewitter vorüber, sage ich stets: es war reinigend!

So geschieht es auch im Paralleluniversum der Finanzwelt. Wirtschafts-Experten nennen die Krise auf dem Finanzmarkt ein reinigendes Gewitter, das längst überfällig war. Während auf unserer Erde die frische Luft wie von nirgendwo nachgeschoben kommt und einfach da zu sein scheint, noch, ist es in der Finanzwelt anders, sie fordert dringend benötigtes »Frischgeld«, das ihr mit Finanzspritzen injiziert werden soll. Wer im Internet nach einer Erklärung für das Wort „Frischgeld“ sucht, die nicht naheliegend ist (zumindest mir), daß es aus Geld-Wasch-Anlagen kommt oder aus Steuerparadiesen fließt, wird enttäuscht sein: es scheint dem umgangssprachlichen Wortschatz der Finanzwelt zu entstammen, und scheint nichts anderes zu bedeuten als „Mehr mehr mehr!“ Frischgeld steht verbrauchtem Geld gegenüber wie Frischluft abgestandener Luft.

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