Archiv für den Monat: Juli 2009

31. Juli 2009

Geisterspazier

Beim Abendspazier mit dem Hund, zwei bis drei Stunden vor Mitternacht, kam ich an einem schwarzen Golf vorbei, aus dem ein schmales gelbes Gesicht herausleuchtete. Noch bevor ich erkannte, daß ein Handy, auf dem Finger herumfummelten, die gespenstische Beleuchtung abgab, erspähte mich das Gesicht, große finstere Augen sahen mich beunruhigt an, unmittelbar darauf hörte ich das Klicken der automatischen Türverriegelung. Ein paar Meter weiter an einer Kreuzung blieb ich stehen, wartete bis Moreno nachgetrottet kam. Auf der gegenüberliegenden Seite gingen andere Abendspazierer, an der Leine etwas kleines Weißes wie eine Katze. Ich blieb stehen, erspähte ob Gefahr bestünde, daß mein gefräßiger Hund vielleicht zum Jagen anfinge, dann ging ich rüber – und hörte sogleich einen mächtigen Aufschrei, gefolgt von einem weiteren Schrei: „Haben Sie mich erschreckt!“ und: „Hast Du mich erschreckt!“ Mich selbst hörte ich ganz leise entschuldigend sowie erklärend sagen: „Das ist mein schwarzer Hut.“ Der Hut ist unschuldig, im tiefsten Innern weiß ich‘s.

Bild: Geist mit Hut

(Pabblissitifoto meines Hutes mit mir in verlorener Halbprofilansicht auf einem unveröffentlichten Cover)

Andererseits kann ich es auch nicht akpetieren – ich weigere mich! – anzunehmen, daß es nur mein Aussehen ist, das ein selbst als Gespenst erscheinendes Wesen dazu bringt, alle Türen wie aus einem natürlichen Affekt heraus zu verriegeln.

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