Archiv für den Monat: Juli 2011

25. Juli 2011

Girl Magnet gucken

Man liest, man sieht und man denkt – man kann es nicht abschalten: genau dafür ist Werbung an allen Orten. Daß man in der Öffentlichkeit sinnlose Plakate sieht, die keinen Zusammenhang haben, ist selten, aber seit der Es-muß-ein-Ruck-durch-Deutschland-gehen-Bewegung vor 20 oder etlichen Jahren auch nichts mehr Neues. Man könnte seither wissen, daß nichts dahinter steckt außer einer ärmlichen Mitteilung. Immerhin steht ein Bundespräsident mit seinem Namen für den berühmten Ruck, der nicht über den Plakatrand hinausging. Man hat nie erfahren, was der Ruck war, noch hat man ihn verspürt – ich habe keine außerordentliche Rempelei in Erinnerung.
Doch vor ein paar Tagen fühlte ich mich angerempelt:

Bild: Gucken

stand auf der Rückscheibe eines örtlichen Linienbuses. Ich konnte nix sehen! Ich wußte nicht, wo die Werbung dazu war. Dafür wurde ich mir bewußt, daß ich wohl geguckt hatte; es war mir, als wäre es das erste Mal in meinem Leben gewesen. Es hätte auch der markante Spruch eines Kabarettisten sein können, der mit einem Bus durch die Lande zieht, aber es war nur ein Abklatsch davon, nicht so direkt („Was guckst du!“). Ich muß mich damit abfinden, daß ich „gucke“; ich habe keinen Einfluß darauf, was andere wahrnehmen und wie sie es artikulieren. Wer guckt, sieht immer irgendwie blöd aus.

Vielleicht gucke ich hinterher, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe – gucke einer Dame auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach. Ich hab ja nichts zu tun, während Moreno Blumen abschnüffelt und sich mit jedem Schritt viel Zeit läßt.

Bild: Girl Magnet
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23. Juli 2011

Die Cedri

Neben manchen guten Gerüchen, die ich zur Zeit vermisse (Flieder, Jasmin), gibt es eine Frucht, die ein Teil meines Ichs, mein Gaumen, sehr vermißt: Die Zedratzitrone.

Bild: Zedrat-Zitrone

Es ist mir persönlich ein großes Anliegen zu ihrer Ansiedlung in der deutschen Küche beizutragen! Momentan gibt es sie leider nicht; sie ist auch sonst nur schwer zu finden in deutschen Obst- und Gemüsegeschäften. Man muß sie sich von dem Gemüsehändler seines Vertrauens erbetteln. Was er nicht kennt und vielleicht keiner kauft, wird er nur schwer in seinem Sortiment aufnehmen; es sei denn, er ist ein Genießer. – Was meine Leser vielleicht nicht kennen – sie werden es gerne verköstigen wollen, weil ich ihnen diese Zitrone ans Herz drücke!

Man kann sie in sehr dünnen Scheiben essen, kann sie mit Öl beträufeln, zu Salaten geben – oder am besten in ganz dünnen Scheiben essen! Man ißt den Geruch der Zitrone! Der saure, erfrischende Geschmack der Zitrone wird genießbar durch die dicke weiße, milde Schale. — Ein Genuß, auf den ich wohl bis zum Winter werde warten müssen. Aber ich frage bei meinem Gemüsemenschen immer wieder nach! Fragen auch Sie bei Ihrem Obststand oder Ihrem Einkaufsparadies – und helfen Sie der Zedratzitrone (Zitronat-Zitrone) zu ihrem angemessenen Platz in der deutschen Wurst- & Gourmetküche.

Wir haben eine Vorliebe für das Mediterrane (Pizza, Dosen-Ravioli, Amore Amore und Olivenöl) – warum holte die begüterte, genußverwöhnte „Toskana-Fraktion“, die Häuschen und Lebensstil in Italien aufkauft, sie nicht mit herauf? Weil sie noch weiter südlich nicht einkaufen fährt? Nach 30 Jahren Cappuccino in Deutschland wird es Zeit für die Zedratzitrone!

Bild: Vorspeisenteller

Wenn es sie wieder gibt, werde ich diesen Beitrag wiederholen. Solange nur ein saurer Gaumenkitzler und ein Hinweis auf Cafè freddo

14. Juli 2011

Berufswunsch Berufsbildner

Online findet der jugendliche Leser, der vor den entscheidenden Schritten seines langen Arbeitslebens steht, genügend Anregungen für eine Berufswahl; bei mir ist es zu spät, mir einen vernünftigen Beruf zu erwählen. Berufsbilder dagegen könnte ich malen – gelegentlich so im Berufsbild des „Kunstmalers“ gefangen, daß mir nicht jede Art von Bildern vor Augen tritt – dabei fordert man gerade vom Künstler, daß er den Rahmen sprengt, in den ihn die Erwartung an sein Talent einsperrt. Berufsbilder schienen mir oft nur grau. Obwohl ich die Farbe Grau schätze, ja seit Jahren graue Bilder malen möchte, gelingt es mir nur selten, bei Grau zu bleiben.

Ein modern runderneuerter Blick auf Berufsbilder zeigt, daß sie mittlerweile in buntesten, ja grellsten Farben gemalt werden könnten; man möchte sie nicht nur zeichnen sondern gleich bildhauern!

Bild: Berufswunsch Headhunter

„Berufswunsch Headhunter“ ist da noch ein simpler Wunsch. Den Kopfjäger gab es schon einmal, er hatte das Geld noch im Namen. Geld ist nicht zweitrangig geworden in diesem Beruf. Auch sein Ansehen hat sich gewandelt: Der Headhunter ist begehrt. Der von ihm Gejagte kann sich glücklich schätzen, auf seiner Abschußliste zu stehen; ihm winken größeres Gehalt, weiteres Arbeitsfeld, höhere Position – und nicht der Galgen. Wie man sich einem Headhunter gegenüber verhält, »Spiegel online« gab für seine karrierebewußte Lesergemeinde Tips („Vorsicht wenn der Headhunter kommt“). Sicherlich gilt: kühlen Kopf bewahren! »Zeit online« sah im Zuge einer berichteten Studienreform „Kopfgeldjäger an den Unis“. Ob Sie dort studieren, (welches Fach? Anthropophagie?), oder ob sie nur ihre Tröphäen, die besten Köpfe, an den Haaren aus den Hörsälen heraustragen, steht im Kleingedruckten.

Bild: Kopfgeldjäger an die Unis!
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