Archiv für den Monat: März 2012

30. März 2012

Schönen Gruß vom Trittbrettfahrer

„Wo haben Sie ihren Hund!“, wurde ich forsch aus der Entfernung angerufen, „lebt er noch?“ „Er lebt“, antwortete ich, „aber ich kann ihn nicht mehr überallhin mitnehmen.“ „Gut!“, sagte der Mann, „wenn er nicht mehr lebte, hätte ich Dich derschlagen!“ Der Mann war schlagfertig, ich verblieb sprachlos. Niemand hatte ihn erschlagen, als letztes Jahr sein Hund gestorben war – hat man ihn aus Rache am Leben gelassen?

Er wechselte das Thema Hund sogleich, während ich noch daran dachte, welche Nachteile es haben kann, daß man noch Hundebekanntschaften trifft, auch wenn der Hund schon tot ist, und welche Nachteile es hat, daß man mich nur in Begleitung mit meinem Hund zu kennen scheint. Dieser Umstand führt zu sich wiederholenden zwei drei Gesprächsstoffen, die nur schwer zu variieren sind. Wenn aber doch einmal, dann setze ich mich zuhause umgehend vor die Tastatur und mache mir Notizen.

Der Mann, im von mir so erstrebten Ruhestandsalter, hielt mir einen Zettel hin mit dem Gesicht eines jungen Mannes darauf und dem Slogan: Jetzt Zukunft wählen. Das sei der einzig richtige Mann für den Landkreis, alle anderen seien verlottert, man brauche sich nur in dieser Stadt umsehen, hier sei alles unten, alles schon lange korrupt und verdorben. Sein Mann, und dessen Partei, sei das, was das Land und die Stadt und der Landkreis brauche. Er sei schon aus dieser Stadt weggezogen, er könne sie, die Verhältnisse, nicht mehr sehen, Romantik hin oder her. Damit zog er wieder in die Kulisse ab, die diese Stadt so gerne ist.

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