Archiv für den Monat: Februar 2013

11. Februar 2013

Wann ist Gemüse tot?

Diese Frage habe ich mir gestellt, nachdem mir ein Freund seine Umstellung auf Rohkost damit erklärt hatte, daß es ihm sofort eingeleuchtet habe, als ihm ein Freund gesagt habe, gekochtes, gegartes Gemüse sei tote Nahrung. Totes ist für den Organismus schädlich. Sein Freund esse nur noch „lebendige Nahrung“: rohes Gemüse und Obst – und, sagte er, er habe sehr gesund ausgesehen. Meine erste Frage darauf war, ob rohes Fleisch auch lebendige Nahrung sei.

Wenn man darüber nachzudenken versucht, wird es komplizierter. Es geht über rohe Gedanken zu rohem Fleisch weit hinaus – und mich treibt es wieder fernab in laue, seichte Altwasser. Denn schon nachdem ich die ersten Zeilen geschrieben hatte, fragte ich mich, ob ich meinen Freund erwähnen sollte. Würde er sich nicht bloßgestellt fühlen, wenn ich auf vielleicht unbewußt sarkastische Weise seine Umstellung und Erfahrung darstellen würde? – Soll ich also die Gespräche mit Freunden verwursten? dachte ich mir. Eine grundsätzliche Frage. Wenn ich weiterhin so verfahre, spann ich die Kränkung fort, würden sich meine Freunde rar machen, ihren Mund verschließen und nur mich mit meinem losen Maul reden lassen; offene Worte würden nicht mehr fallen, nur noch endgültige, man würde im Gespräch darauf warten, daß ich mich selbst bloßstelle. – Das mache ich ja schon. Diese Frage muß vor dem Schreiben geklärt werden, hier und für alle weiteren Schreibereien in diesem Blog.

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