Archiv für den Monat: Juli 2017

10. Juli 2017

Sieben Anfänge für schlechte Zeiten

Man kann aus alten Büchern noch manches ziehen, was Bezug zur jetzigen Jetzt-Zeit hat, zum heutigen Heute, um mindestens einen kleinen Gewinn auf seinem Konto verbuchen zu können – in Zeiten des Minus-Zinses zählt auch schon ein gutes Wort! Es kommt vor, passiert aber nicht oft. Mir ist es passiert. Ich las Denis Diderots »Rameaus Neffe«, um 1760 verfaßt – 2017 gelesen. Da wird man sich fragen: Warum liest einer noch so was? Ich habe mich das auch gefragt, frage mich oft, wenn ich lese: Warum lese ich das? und: Wer liest so was noch? Um eines Tages demonstrieren zu dürfen, was alles von mir gelesen worden ist, welchen Stand der Halbbildung ich augenblicklich erreicht habe, bin ich dabei, mir eine Liste anzufertigen, die ich zum gelegentlichen name-dropping verwenden werde – wenn’s nicht so auffällig ist wie gerade jetzt an dieser Stelle.

»Rameaus Neffe« stand schon lange in meinem Bücherregal, ungelesen, bis ich mir eine weitere Ausgabe gekauft habe, Dünndruck – ich lese mit Vorliebe Gesamtausgaben-Dünndruck von längst verstorbenen Dichtern und Schriftstellern. Ich schlug das neu gekaufte alte Buch auf, blätterte, las einige Zeilen, und blieb hängen, 90 Seiten tief – und las nach der letzten Seite gleich weiter, kam ins nächste Buch, das auf Seite 97 beginnt: »Jacques der Fatalist und sein Herr« – und dieses Buch empfehle ich noch mehr; es ist nicht ganz so alt, es wurde einige Jahre später geschrieben – man kann es auch 2030 noch lesen:

Wie hatten sie einander gefunden? Durch einen Zufall, wie alle Welt. Wie war ihr Name? Was liegt Ihnen daran? Woher kamen sie? Aus dem nächsten Ort. Wohin ging ihre Reise? Weiß man je, wohin man geht? Was sagten sie? Der Herr sagte nichts; und Jacques sagte, sein Hauptmann habe immer gesagt, alles, was uns hienieden an Gutem und Bösem zustoße, stehe da oben geschrieben.

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