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21. April 2019

Sie nannten ihn …

5000 Euro für einen echten Kinder-Picasso

Ein echter kostet 5000. Was kostet ein falscher, oder gar ein mit Betrugsabsicht gefälschter? Fälschungen verunsichern die Märkte, bringen aber auch Bewegung (Stichwort Aufmischen). Das gilt vor allem für den Kunstmarkt, der vom Original und seiner Originalität lebt, ähnlich wie der ›Individualtourismus‹ von ›Authentizität‹, von den unzähligen Lokalen, Cafés und Restaurants, in denen nur die leutseligen Eingeborenen zu finden sind, von denen dir erzählt wird, wenn einer eine Reise in einen Prospekt begangen hat. (Sind die angetroffenen Eingeborenen mißmutig oder gar feindlich dem aufgeweckten Fremden gegenüber, bleiben sie von Erwähnung und Foto in ›sozialen Medien‹ verschont.)

Sie nennen ihn …

›Sie nennen ihn …‹ – klingt nach schlechtem Film(-Titel): Sie nannten ihn: Mücke / Eidechse / Amigo / Verräter / Spencer / Plattfuß. Das ist in Vergangenheitsform gehalten. Noch nennen sie ihn.

Die Szenewärter halten die Türen stets offen für Wunderkindergeschäfte. Da ist die Kirche bedeutend vorsichtiger geworden, (nicht mit Geschäften sondern mit Wunder-Meldungen).

Der kleine Angelo und seine Verkäufer werden ihn, wenn er seinen Zehnten feiert, neu erfinden müssen, da er als frühreife Genie-Imitation auch früher die Kunstpubertät antreten wird. Vielleicht ist er bis dahin bereits durch die Kulissentür der Szene hinausgeschoben worden, wenn etwa ein 5-jähriger Elefant im Schimpansenkostüm nachgeschoben worden ist:

Kunst Elefantiasis

ORIGINAL Elephant Painting, beim kreativen Schöpfungsakt gefilmt … kann man womöglich schon für 10 Euro erwerben – ist das ORIGINAL allerdings zum Aufmischen des Kunstmarktes bestellt, werden daraus 9995 Dublonen für bunte Elefanten-Blumen.

Porzellan ist selten auf dem Kunstmarkt zu finden – es gilt als bloßes Kunst-Handwerk – daher könnte ein Elefant in den Kunstmarkt durchaus hineintrompetet werden; einer mehr richtet dort keinen weiteren Schaden an. Der Kunstmarkt hat seine Elite – 5000 € für einen echten Kinder-Picasso auszugeben könnte schon Geschmack am Dabeisein in der Elite machen, wäre da nicht das unüberbrückbare Hindernis, daß es sich um eine Elite handelt, die stets für sich selbst sorgt.

Doch auch so etwas Sensationelles wie ein künstelnder Elefant ist leicht austauschbar:

Schimpansemaltjetzt

Jetzt malt er! Nicht nur er malt, viele malen. Malen ist geschätzt als Therapie; auch Kunst hat ihren Wirkungskreis ausgeweitet zur Therapie bis in die Toskana und die Marche, zehn Tage Kunsttherapie unter Freunden und Zypressen werden dir helfen: Befrei deine Seele endlich von … Befreiung.

Jetzt malt er, Schimpanse Robby, der Circusinsasse. Was könnte er ausrichten, was könnte er anstellen, wenn ihn einer vom Circus in den Kunstzoo schleusen würde! Vielleicht malt er Blumen, vielleicht malt er abstrakt, sicherlich malt er uns nicht die Stangen aufs Blatt, die sein Leben bestimmen. Das wär ein schlechtes Geschäft.

Würmer kann ich mir als malend vorstellen: tunke sie in Farbe und lasse sie sich übers Papier krümmen. Einmal an der frischen Luft, sagte mein Biolehrer, sind sie eh dem Hautverbrennungstod ausgesetzt, also tut’s ein Straßen- oder Anglerwurm. Ein Bild mit Symbolkraft. Es wäre wachrüttelnde Kunst: Schau nicht nach jedem Regenwurm, der auf dem Trottoir zertreten liegt, sonst ergehts dir mal wie ihm (selffullfilling professi!):

Wurmbild

Oder anders gesagt: Denk nicht über Gedanken nach, sonst wirst Du einmal selbst anfangen zu denken. Dann vertreibt man dich aus dem Paradies, das die Gemeinschaft ist, die Wahrheit aus ihrem Wünschen bezieht.

Der echte Picasso, also Picasso selbst, oder eindeutiger noch: Picasso-Picasso, war wie sein Nachläufer schon als Kind ein Künstler, kein ›Picasso‹ zwar, aber auf dem Wege dahin. Ob er als Erwachsener für einen Kinder-Picasso Bares gezahlt hätte, wissen wir nicht, doch daß er einen Affen-Picasso gekauft hat, ist bezeugt (zumindest auf Wikipedia [›link]). Dort wird auch zitiert, was der Verhaltensforscher Desmond Morris davon hielt, von der Kunst, dem Affen und dem Affen im Künstler, nachdem er einen malenden Affen verhaltensbiologisch untersucht hatte:

Heute haben der letzte Affe und der moderne Mensch das gleiche Interesse an der Herstellung von Bildern, man könnte sogar behaupten: Wenn ein zeitgenössischer Künstler ein Bild malt, hat er dafür kaum wesentlichere Gründe als ein Schimpanse.

Das ist ein Schlußwort, über das ich, bevor ich mich wieder an mein Malwerk mache (ein Machwerk male), meditieren werde. Ich frage mich auch, welcher Zeit ich Zeitgenosse bin.

Das Schlußbild stammt vom Affen, ›Congo‹ sein Name, der Desmond Morris belehrt hatte:

Congo chimpanzee painting 1

Congo … er hätte nicht Connecticut oder Bayern heißen können; das hat nicht die zivilisatorische Paßform wie das schlüssige Affe>Congo.

Gruß vom malenden und schreibenden Affen Be.

mensch und affe