Archiv der Kategorie: Hundetext

13. April 2012

Einladung ins Grab

Wie alt issern?
  15.
Der hot sei lemm glebbt.
  Er lebt noch.
So so, er lebbt noch…

30. März 2012

Schönen Gruß vom Trittbrettfahrer

„Wo haben Sie ihren Hund!“, wurde ich forsch aus der Entfernung angerufen, „lebt er noch?“ „Er lebt“, antwortete ich, „aber ich kann ihn nicht mehr überallhin mitnehmen.“ „Gut!“, sagte der Mann, „wenn er nicht mehr lebte, hätte ich Dich derschlagen!“ Der Mann war schlagfertig, ich verblieb sprachlos. Niemand hatte ihn erschlagen, als letztes Jahr sein Hund gestorben war – hat man ihn aus Rache am Leben gelassen?

Er wechselte das Thema Hund sogleich, während ich noch daran dachte, welche Nachteile es haben kann, daß man noch Hundebekanntschaften trifft, auch wenn der Hund schon tot ist, und welche Nachteile es hat, daß man mich nur in Begleitung mit meinem Hund zu kennen scheint. Dieser Umstand führt zu sich wiederholenden zwei drei Gesprächsstoffen, die nur schwer zu variieren sind. Wenn aber doch einmal, dann setze ich mich zuhause umgehend vor die Tastatur und mache mir Notizen.

Der Mann, im von mir so erstrebten Ruhestandsalter, hielt mir einen Zettel hin mit dem Gesicht eines jungen Mannes darauf und dem Slogan: Jetzt Zukunft wählen. Das sei der einzig richtige Mann für den Landkreis, alle anderen seien verlottert, man brauche sich nur in dieser Stadt umsehen, hier sei alles unten, alles schon lange korrupt und verdorben. Sein Mann, und dessen Partei, sei das, was das Land und die Stadt und der Landkreis brauche. Er sei schon aus dieser Stadt weggezogen, er könne sie, die Verhältnisse, nicht mehr sehen, Romantik hin oder her. Damit zog er wieder in die Kulisse ab, die diese Stadt so gerne ist.

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30. Juni 2011

Über Hundetexte

Für meinen letzten Blogeintrag habe ich endlich eine „Kategorie“ geschaffen (Hundetext). Mein Blogsystem empfiehlt das zur besseren Orientierung für den Leser; er weiß so leichter, was ihn erwartet. Bislang wollte ich diese Arbeit nicht auf mich nehmen. Man findet das oft in Blogs, da heißt es dann Israel, Palästina, Pfannkuchen zubereiten, Fußball, Live-Style, Reisen, Hirserezept.

Mein erster Blog ging online, weil ich mit meinem Hund spazieren ging, der, wie es immer in kurzen Gesprächen heißt, „seine Zeitung liest“, während ich mir über Gelesenes Gedanken machte, von denen manche dann niedergeschrieben und locker gebündelt als „Spaziergang“ zu lesen waren.

Damit hat die Kategorie Hundetext allerdings nichts zu tun. Meine Hundetexte entstehen durch eine Art „automatisches Schreiben“ immer dann, wenn ich noch weniger zu sagen habe als gewöhnlich, dafür irgendetwas tippen muß. Das ist wie eine Sprechprobe beim Telefonieren oder Skypen: „Sag mal was, damit ich hören kann, wie’s klingt.“ Mit eins zwei drei geb’ ich mich nicht ab. Beim Schreiben probiere ich eine Formatierung aus; man könnte auch das schöne „lorum ipsum“ nehmen, sogar urheberrechtsfrei, aber das hab‘ ich nicht zur Hand, und so tippe ich einen Satz, der meist mit „Der Hund …“ anfängt. Das fiel mir irgendwann auf – was ins Bewußtsein gerät, wird behalten; deshalb gibt es eine nun größere Anzahl Hundetexte.

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22. Juni 2011

[Der Hund]

Der Hund kam zu sich selbst und legte einen Gedanken über den See.
Dann aber zwei, drei, Viertel!
Jetzt geht es besser, sagte der Herrscher über das Licht, das er ausschaltete.
Dann kam ein großes Dann und sonst nichts.

Der Hund kam zu sich selbst und legte über den See einen Gedanken.
Dann aber zwei, drei, Viertel! Er hatte eine Armleuchte dabei.

31. Juli 2009

Geisterspazier

Beim Abendspazier mit dem Hund, zwei bis drei Stunden vor Mitternacht, kam ich an einem schwarzen Golf vorbei, aus dem ein schmales gelbes Gesicht herausleuchtete. Noch bevor ich erkannte, daß ein Handy, auf dem Finger herumfummelten, die gespenstische Beleuchtung abgab, erspähte mich das Gesicht, große finstere Augen sahen mich beunruhigt an, unmittelbar darauf hörte ich das Klicken der automatischen Türverriegelung. Ein paar Meter weiter an einer Kreuzung blieb ich stehen, wartete bis Moreno nachgetrottet kam. Auf der gegenüberliegenden Seite gingen andere Abendspazierer, an der Leine etwas kleines Weißes wie eine Katze. Ich blieb stehen, erspähte ob Gefahr bestünde, daß mein gefräßiger Hund vielleicht zum Jagen anfinge, dann ging ich rüber – und hörte sogleich einen mächtigen Aufschrei, gefolgt von einem weiteren Schrei: „Haben Sie mich erschreckt!“ und: „Hast Du mich erschreckt!“ Mich selbst hörte ich ganz leise entschuldigend sowie erklärend sagen: „Das ist mein schwarzer Hut.“ Der Hut ist unschuldig, im tiefsten Innern weiß ich‘s.

Bild: Geist mit Hut

(Pabblissitifoto meines Hutes mit mir in verlorener Halbprofilansicht auf einem unveröffentlichten Cover)

Andererseits kann ich es auch nicht akpetieren – ich weigere mich! – anzunehmen, daß es nur mein Aussehen ist, das ein selbst als Gespenst erscheinendes Wesen dazu bringt, alle Türen wie aus einem natürlichen Affekt heraus zu verriegeln.

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