12. Juli 2008

Vom Fensterbrett im Treppenhaus

Mein Untermieter – er wohnt einen Stock unter mir – legt mir seit Jahren die Tageszeitung, die er abonniert hat, auf das Fensterbrett im Treppenhaus. Er hat mich einmal gefragt, ob ich das Blatt lesen wolle. Ich sagte nicht nein, aber auch nicht ja, unentschieden wie so oft wenn es um Überflüssiges geht: um Info und noch mehr Info. Das ist natürlich schon eine Reduzierung der wahren Bedeutung einer Zeitung auf einen vielbeworbenen aber lästigen Nebeneffekt; Werbung ist allemal wichtiger; Werbung in eigener Sache (Medienrummel), Werbung für Firmenangebote und Werbung für Weltanschauungen (Meinungsmache). Jahrelang kam ich ohne Zeitung aus, ohne ihr jedoch zu entkommen. Nun staple ich sie vor meiner Türe, um sie der Altpapiersammlung gebündelt zu überliefern, denn mein Untermieter hat mir seine Entsorgungspflicht gleich mitübertragen.

Bevor ich sie an der Straße gut sichtbar plaziere, blättere ich dann und wann die Zeitung durch, wie es die Gewohnheit der Augen ist Buchstaben unbedingt lesen zu müssen, auf Plakate zu schauen und: einfach nur zu erkennen, was um mich herum zu sehen ist. Das Ohr, habe ich vor ein paar Tagen gehört, kann nicht abschalten; das Auge tut sich damit aber auch schwer – und kaum bin ich im Schlaf, sehe ich schon wieder, ich sehe – ein wenig klarer!

Es sammelt sich trotz Bemühung um gelassenere Ignoranz einiges an, was ich aus den verstreuten Blättern und neuerdings auch aus dem Internet an Infoinfoinfo aufschnappe. Anders als manches Essen, das ich verzehre, kann ich Gelesenes nicht so leicht verdauen; es gespenstert in meinem Hirnkästchen herum – und dort, gerade dort brauche ich Leere, denn mich hat das Fieber des Einswerdens, des Hier-und-Jetzt-Sein-wollens auch schon längst gepackt; es hat mich gepackt und beutelt mich, will aus mir herausschütteln, was nicht reingehört; und je mehr Infoinfoinfo ich bekomme desto mehr muß auch wieder aus mir herausfallen. Und hierher fällt es, in diese Notizsammlung.

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